Filmpiraterie macht den Film kaputt oder: Was die ZEIT nicht versteht.

Letzte Woche gab es folgenden Artikel im Print, heute ist er online:

Aufnahme läuft!

Der Artikel ist, natürlich, wieder einmal der Grundannahme auf den Leim gegangen, dass Piraterie Filme entweder zerstört oder viele Filme verhindert. Das wäre gar nicht mehr groß zu kommentieren, weil schon etliche Male geschehen und wiederlegt, aber der „ZEIT“-Artikel macht nunmal soviel falsch, dass es sich doch wieder lohnt die schlimmsten Stellen aufzugreifen.

Zum Anfang solltet ihr also die sieben Seiten lesen.

Die ersten Zeilen fangen gut an:

Das Geschäft funktioniert – bis Piraten illegale Kopien des Films ins Internet stellen.

Filmpiraterie ist es in Zeiten erschwinglicher digitaler Videokameras und dem (schnellen) Internet entstanden und „lohnenswert“ geworden. Also sollten die Einnahmen der Filmwirtschaft in den frühen Neunzigern und heute deutlich gesunken sein. Richtig?

Laut statista verdiente man 2009 in Deutschland in der Filmwirtschaft 2,4 Milliarden Euro, gleichzeitig fuhren die Kinos einen Rekordumsatz von 980 Millionen Euro. Rekordumsatz und das in Zeiten der großen Filmpiraterie. Nun möchte der ein oder andere Anmerken, dass der Umsatz 2010 um 55 Millionen Euro zurück gegangen ist. Das ist natürlich richtig, allerdings fehlte in genau diesem Jahr mehrere Blockbuster die Publikum in die Kinos ziehen.

Bedeutet also unter dem Strich: Keine ordentlichen Produkte, keine Einnahmen.

 

Er drückt auf »Record«, und die Kamera läuft, bis der Abspann erscheint. So wird er Stefan Arndt seinen Film wegnehmen.

Ich frage mich noch immer, wie der Autor auf dieses Konstrukt kommt. Ist durch das bloße Abfilmen der Leinwand eine Kopie im Kino oder gar das Original verschwunden? Davon ist nicht auszugehen. Was passierte denn dann? Der „Filmer“ besitzt nun eine Kopie des Filmes. Eine sehr misserable Kopie. Inklusive der Geräusche im Kino, fehlender Bass, fehlender 7.1 Sorroundsound.

 

Er zeigte seinen Film erst im Kino, dann brachte er ihn als DVD heraus, schließlich verkaufte er ihn ans Fernsehen. Er hatte Zeit. Die Zeit brachte das Geld.

Und wie läuft das heute ab? Kino. Pay-TV, DVD, TV, Serien und Filme online mit DRM zB bei iTunes. Wir haben also heute sogar mehrere Vertriebskanäle.

 

Er wird womöglich tausendfach heruntergeladen, millionenfach angesehen. Es kann dann passieren, dass kaum jemand noch die DVD kauft, dass kein Fernsehsender noch viel Geld dafür bezahlt, dass er den Film zeigen kann.

Das ist eben eine dreiste Lüge, die sich hätte ganz einfach aufklären lassen, wenn man kurz Google oder eine Suchmaschine seiner Wahl um entsprechende Suchergebnisse bemüht hätte. Dieser Artikel ist deswegen so Faktenarm, weil diese ganz einfach die komplette Theorie des Textes über den Haufen geworfen hätte.

 

Die Deutschen, Italiener, Russen werden dann gespannt sein auf diesen Film, über den in Amerika so viele Leute reden. Die Zeit bringt das Geld.

Und hier treffen wir wieder auf ein grundsätzliches Problem: In Zeiten des Internes, wo alles sofort verfügbar sein könnte, sperrt man Filmfans wochenlang künstlich aus anstatt jedem den Film sofort zur Verfügung zu stellen.

 

Er sucht nach Kopien seines Films. Er findet keine. Immerhin, Cloud Atlas gehört ihm noch alleine.

Die Gedanken sind frei, alles, was einmal in unserem Gehirn abgespeichert wird, ist nicht mehr zu löschen. Das dem Cloud-Atlas Produzenten der Film alleine gehören würde, ist somit schon in der Grundthese absolut verkehrt.

 

Als Stefan Arndt den illegalen Mitschnitt findet, ist er wütend, enttäuscht.

Als Megaupload damals abgeschaltet wurde, ist folgendes passiert: Der Kinoumsatz ist eingebrochen – nicht von den Blockbustern – aber von vielen kleineren Filmen.

 

Cloud Atlas hat am Ende insgesamt 108 Millionen Dollar eingespielt, also acht Millionen Euro mehr als die Produktion gekostet hat. Die restlichen 100 Millionen gingen für das Marketing drauf.

Der Film wurde unter anderem bei der IMDB mit 7,8 von 10 Sternen bewertet.

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